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VDMA Studie Produktpiraterie 2016

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Die vorliegenden Ergebnisse der Umfrage zu Produktpiraterie unter den mehr als 3100 Mitgliedern des VDMA zeigen, dass sich die Bedrohung durch Produktpiraterie auf relativ hohem Niveau befindet und in der Gesamtheit der Mitglieder und auch in absoluten Zahlen für die letzten zwei Jahre ein Rückgang zu verzeichnen ist.

70 Prozent der Unternehmen sind von Produkt- oder Markenpiraterie betroffen. Der geschätzte Schaden für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau beträgt 7,3 Milliarden Euro jährlich.

Das bedeutet nach dem Höchststand von 7,9 Milliarden Euro im Umsatzjahr 2013 nun einen Rückgang um geschätzte 600 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr 2015. Ein Umsatz in der Schadenshöhe von 7,3 Milliarden Euro würde der Branche knapp 34.000 Arbeitsplätze sichern. Neben Umsatzverlust und Verlust von Arbeitsplätzen sind in den betroffenen Unternehmen monetär schwer zu bewertende Folgen festzustellen, zum Beispiel Imageverlust, Verlust des Marktvorsprungs oder ungerechtfertigte Regressanforderungen.
Den deutschen Behörden und Messegesellschaften wird insgesamt gute Arbeit bescheinigt, weltweit besteht jedoch noch dringender Verbesserungsbedarf. Die bisherigen Aktivitäten vor Ort - in den typischen Plagiatsländern - reichen nicht annähernd aus, um die Unternehmen adäquat im Kampf gegen Plagiate zu unterstützen.

Rekord: 83 Prozent der Unternehmen zeigen mit dem Finger nach China.

Die Volksrepublik China ist, nach einem Rückgang in der letzten Umfrage, bei den Nennungen der Unternehmen als Herstellungsland auf einen neuen Höchstwert von 83 Prozent geklettert, ein Zuwachs um 11 Prozent. Dieser unrühmliche Rekord zeigt die unverminderte Notwendigkeit, nicht nur Maßnahmen gegen Produktpiraterie zu beschließen, sondern diese auch mit Nachdruck umzusetzen. Oft genug berichten uns VDMA-Mitglieder von Händlern und Fälschern, die Ihre Plagiate trotz rechtskräftiger Urteile mit nur geringfügigen Änderungen weiterverkaufen.

Hilfe: Leitfaden und Normen als erste Informationsquelle.

Der Mehrwert von Lösungen und Konzepten, um Produktpiraterie und Know-how-Abfluss vorzubeugen, ist nicht einfach zu ermitteln. Der spezifische Nutzen wird oft erst im konkreten Anwendungsfall und in Bezug auf die eigene Situation berechenbar.
Der VDMA Leitfaden "Produkt- und Know-how-Schutz" bietet betroffenen Unternehmen Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Schutzmaßnahmen vor Produktpiraterie und Know-how-Abfluss. Praxisnahe Empfehlungen bieten einen Überblick und dienen als erste Informationsquelle für den gezielten Einsatz von Schutzmaßnahmen.
Der Leitfaden ist zudem Grundlage des Normenentwurfs DIN 66405 „Leitfaden für die Erstellung von Schutzkonzepten gegen Produktpiraterie, unlauteren Nachbau und Handel illegaler Waren“, der im Normenausschuss DIN NIA-02-01 „Maßnahmen gegen Produktpiraterie“ gemeinsam mit VDMA-Mitgliedern erarbeitet wird.

Die wichtigsten Ergebnisse der VDMA Studie Produktpiraterie 2016 im Überblick.

  • 70 Prozent der Unternehmen sind von Produktpiraterie betroffen (2014: 71 %).
    Dieser Rückgang von einem Prozentpunkt zeigt, dass sich die Bedrohung auf einem weiterhin hohen Niveau befindet.
  • Der geschätzte Schaden im Umsatzjahr 2015 betrug 7,3 Milliarden Euro.
    Gegenüber der letzten Umfrage von 2014 ist dies ein Rückgang des Schadens um geschätzte 600 Millionen Euro.
  • Der Umsatzverlust von 7,3 Milliarden Euro entspricht knapp 34.000 Arbeitsplätzen.
    Wir konnten damit von den Plagiateuren ca. 4000 Arbeitsplätze gegenüber der letzten Umfrage (2014: 38.000 Arbeitsplätze) zurückgewinnen.
  • Gefahrenpotential Plagiate: 48 Prozent sehen durch Plagiate den Anlagenbetrieb in Gefahr, erschreckende 39 Prozent berichten von Gefahren für den Menschen (z.B. auf Kundenseite in der Nahrungsmittelindustrie oder bei Industriearmaturen)
  • Die Volksrepublik China ist mit 83 Prozent (+11 Prozent) weiterhin unangefochten auf Platz 1 der Herstellungsländer, absoluter Rekord! Auf dem zweiten Platz folgen erneut Plagiate aus Deutschland mit 24 Prozent (+1 Prozent). Indien ist mit 19 Prozent (±0 Prozent) nach 2012 wieder auf dem dritten Platz geklettert.
  • Die am stärksten betroffenen Branchen im Maschinen- und Anlagenbau sind:
    • Motoren und Systeme (92 Prozent)
    • Kunststoff- und Gummimaschinen (92 Prozent),
    • Textilmaschinen (91 Prozent).
  • Der Wettbewerber wird von 76 Prozent (+5 Prozent) der Unternehmen mit Abstand am häufigsten als Plagiateure/Auftraggeber genannt. Dahinter folgen mit 27 Prozent Underground Factories. Das Phänomen „Kunden als Plagiateure“ ist erfreulicherweise um sieben Prozent auf nun 16 Prozent (-7 Prozent) zurückgegangen.
  • Reverse Engineering ist mit 69 Prozent die meistgenannte Ursache von Plagiaten, gefolgt von Know-how-Abfluss, z.B. durch ehemalige Mitarbeiter, mit32 Prozent. Von Industriespionage berichten immerhin 13 Prozent der Unternehmen.
  • Komponenten sind mit 62 Prozent die beliebtesten Plagiate, Designplagiate sehen knapp die Hälfte der Betroffenen (47 Prozent). Der Nachbau ganzer Maschinen ist dagegen um 10 Prozentpunkte zurückgegangen (41 Prozent).
  • Nur noch 22 Prozent (-4 Prozent) der Unternehmen haben mit ungerechtfertigten Reklamationen durch Plagiate zu kämpfen.
  • Schutzrechtsanmeldungen sind noch immer das präventive Mittel der Wahl, mehr als 80 Prozent der Unternehmen setzen auf Patente, Marken & Co.
  • Recht durchsetzen: zivilgerichtliches und außergerichtliches Vorgehen sind die häufigsten Aktivitäten nach Plagiatsentdeckung.
  • Große Enttäuschung herrscht bei der Unterstützung im Ausland. Gegenüber Behörden sehen 87 Prozent und bei ausländischen Messen 81 Prozent eine ungenügende Hilfe. Stellung dazu nimmt in dieser Studie die Messe Frankfurt.
  • Eine VDMA-Datenbank für die weltweite sichere Identifikation von Originalen wünscht sich die Hälfte der Unternehmen.
  • 39 Prozent der Unternehmen, die keine technischen Schutzmaßnahmen einsetzen, sind diese einfach zu teuer. 30 Prozent der Unternehmen ist die Vielfalt zu groß.

Die komplette Studie steht zum Download bereit. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Herrn Zimmermann.

Zimmermann, Steffen
Zimmermann, Steffen
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