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VDMA Studie Produktpiraterie 2014

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Rekord: 71 Prozent der Unternehmen sind von Produkt- oder Markenpiraterie betroffen. Der geschätzte Schaden für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau beträgt 7,9 Milliarden Euro jährlich. Besonders gefährlich: "Produktpiraterie Made in Germany". Die bisherigen Aktivitäten insbesondere der Politik reichen somit nicht annähernd aus, um die Unternehmen adäquat im Kampf gegen Plagiate zu unterstützen.

Ein Umsatz in der Schadenshöhe von 7,9 Milliarden Euro würde der Branche knapp 38.000 Arbeitsplätze sichern. Neben dem Umsatzverlust und dem Verlust von Arbeitsplätzen kommen monetär schwer zu bewertende Folgen, wie Imageverlust, Verlust des Marktvorsprungs oder ungerechtfertigte Regressanforderungen.

Im Fokus 2014: Plagiatsland Deutschland

Erstmals haben wir die alarmierenden Zahlen zu "Produktpiraterie Made in Germany" ausgewertet. Ergebnis: erschreckend. Grund genug für die Auswertung gibt es, denn Deutschland liegt mit 23 Prozent als Herkunftsland von Plagiaten auf Platz zwei hinter der Volksrepublik China.
Während bei Plagiaten aus China häufig von minderer Qualität und Funktion gesprochen wird, können die Plagiate deutschen Ursprungs als Hightech-Plagiate bezeichnet werden.
Betrachtet man die Arten der Plagiate aus Deutschland, so gingen wir in den letzten Jahren davon aus, dass es sich grundsätzlich um "weiche Plagiate" handeln muss. Darunter verstehen wir vor allem Plagiate um das Produkt herum, also Bedienungsanleitungen, Produktfotos, Kataloge etc. Diese Aussage müssen wir nach Auswertung der vorliegenden Daten komplett revidieren. Die Maschinen- und Anlagenbauer berichten vor allem von Plagiaten ganzer Maschinen, Komponenten und Ersatzteile. Diese Hightech-Plagiate zeigen, dass die Gefahr im eigenen Land sehr ernst zu nehmen ist.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • 337 Unternehmen haben sich an der Studie Produktpiraterie 2014 beteiligt.
  • 71 Prozent der Unternehmen sind von Produktpiraterie betroffen (2012: 67 %).
  • Der geschätzte Schaden für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer in 2013 beträgt 7,9 Milliarden Euro, gegenüber 2011 unverändert auf Rekordwert.
  • Der Umsatzverlust von 7,9 Milliarden Euro entspricht knapp 38.000 Arbeitsplätzen.
  • Die Volksrepublik China ist mit 72 Prozent unangefochten auf Platz 1 der Herstellungsländer, gefolgt von Plagiaten aus Deutschland (23 Prozent).
  • Die am stärksten betroffenen Branchen im Maschinen- und Anlagenbau sind:
    • Holzbearbeitungsmaschinen (92 Prozent),
    • Textilmaschinen (86 Prozent),
    • Landtechnik (86 Prozent).
  • Wettbewerber sind von 71 Prozent der Unternehmen die am häufigsten genannten Plagiateure. Dahinter folgen mit 27 Prozent Underground Factories.
  • Kunden und Zulieferer als Plagiateure, davon können bereits 23 Prozent bzw. 18 Prozent der Unternehmen leidvoll berichten. Tendenz: steigend.
  • Reverse Engineering ist mit über 70 Prozent die häufigste Ursache von Plagiaten, gefolgt von Know-how-Abfluss, z.B. durch ehemalige Mitarbeiter.
  • Von Industriespionage sind bereits 19 Prozent der Unternehmen betroffen.
  • Lediglich 1 Prozent der Unternehmen verzeichnet einen Rückgang der Plagiate.
  • Komponenten wurden am häufigsten plagiiert (64 Prozent), Designplagiate haben sich seit 2010 mit 56 Prozent nahezu verdoppelt. Gut die Hälfte der Unternehmen klagt über Kopien ganzer Maschinen.
  • Jedes vierte Unternehmen hat mit ungerechtfertigten Reklamationen durch Plagiate zu kämpfen.
  • Schutzrechte sind das präventive Mittel der Wahl, mehr als 80 Prozent der Unternehmen setzen auf Patente, Marken & Co.
  • Recht durchsetzen: zivilgerichtliches und außergerichtliches Vorgehen sind die häufigsten Aktivitäten nach Plagiatsentdeckung.
  • 41 Prozent der Unternehmen ergreifen trotzdem keine Maßnahmen bei einem Plagiatsvorfall. Je kleiner das Unternehmen, desto größer ist der Anteil.
  • Plagiatsland Deutschland: Die Gefahr durch Hightech-Plagiate zeigt, dass der Schutz des Know-hows immer wichtiger wird. Reverse Engineering, Know-how-Abfluss und Industriespionage spielen eine große Rolle. Kunden und Zulieferer sind neben dem Wettbewerber besonders im Fokus.

Die komplette Studie steht zum Download bereit. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Herrn Zimmermann.

Bildquelle : Pfeiffer Vacuum

Zimmermann, Steffen
Zimmermann, Steffen
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